1. Rainbow Moon Rezension (PS3)

    Früher war alles besser, oder etwa nicht? Die Macher von Rainbow Moon wagen den Versuch, das Beste von damals mit den Ansprüchen von heute zu vereinen.

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    Nach den beiden Söldner-X Shoot ‘em Ups liefern die deutschen SideQuest Studios mit Rainbow Moon ein waschechtes Rollenspiel für die PlayStation 3 ab. Darin schlüpft ihr in die Rolle des Ritters Baldren, den es bei der Verfolgung seines Erzrivalen Namoris durch ein Portal auf den titelgebenden Rainbow Moon verschlägt. Dort angekommen möchte Baldren nur auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause gelangen. Um das zu erreichen muss er den Einwohnern von Rainbow Moon bei ihren täglichen Sorgen helfen. Sehr viel mehr gibt es auch nicht an Handlung. Wer einen packenden Plot, überraschende Wendungen oder zwischenmenschliches Drama erwartet ist bei Rainbow Moon an der falschen Adresse. Immerhin sind die meisten Quest- und Beschreibungstexte, die nur auf englischer Sprache verfügbar sind, unterhaltsam geschrieben.

    Was an Aufwand bei der Geschichte eingespart wurde ist spürbar in die Spielmechaniken und den Umfang geflossen. Wie in den guten alten Zeiten ist man damit beschäftigt, seine Party mit ausreichend Tränken, Nahrungsrationen und Fackeln zu versorgen, damit sie auf ihren Erkundungstouren durch die riesige Spielwelt und die verschlungenen Dungeons nicht schlappmacht.

    Um herauszubekommen, wo es als Nächstes hingeht, hilft traditionsgemäß nur die Plauderrunde in der nächsten Stadt. Dort finden sich auch Händler, deren Ware man dringend braucht, sich aber meistens nicht leisten kann. Ob neue Ausrüstung, Kampffähigkeiten oder neue Slots für das Inventar: Alles kostet Gold! Früher oder später kommt der Moment, ab dem man ohne die aktuellste Ausstattung und ein paar Extralevel nicht mehr gegen die neusten Monster ankommt, und dann gilt es dafür durch wiederholte Zusatzkämpfe Gold und Erfahrungspunkte anzuhäufen.

    So weit, so klassisch. Dennoch ist Rainbow Moon keine pure Reise in die harsche Vergangenheit des Genres, da sich die Entwickler viele Gedanken darum gemacht haben, wie man die Fallstricke von damals vermeiden kann. So sind Gegner stets sichtbar und Zufallskämpfe optional, was den Fluss beim Erkunden der Welt kontrollierter gestaltet. Nähert man sich einem Feind sieht man seinen Level und die Anzahl an Monstern, die es zu bekämpfen gilt. Man weiß also meistens vorher, worauf man sich einlässt, was das Risiko plötzlicher Partywipes mindert. Speichern kann man jederzeit außerhalb des Kampfes. Also auch wenn die Abenteurertruppe mal das Zeitliche segnen sollte sind die Auswirkungen selten drastisch. Die Versorgung der Charaktere ist oft gewährleistet, da man in der Spielwelt jede Menge Items entdeckt und selbst in Dungeons Händler zu finden sind, sodass man nicht ständig wieder zur nächsten Stadt laufen muss, um sich neu auszustatten.

    Sogar in den größeren Grindphasen, die vor allem am Anfang und gegen Ende des Spiels auftreten, tritt kaum Langeweile auf. Für jeden Gegner, den ein Charakter besiegt, erhält man Rainbow Pearls. Die schmucken Perlen kann man direkt in eines der Attribute stecken, um so etwa die Geschwindigkeit oder HP einer Spielfigur dauerhaft zu erhöhen. Man muss also nicht bis zu einem Aufstieg des Levels warten, um eine spürbare Verbesserung seiner Charaktere zu erleben. Wem es zu stumpfsinnig ist, auf der Suche nach neuen Feindkontakten immer wieder das gleiche Stück Wiese abzustapfen kann das Leveln auch meistens mit dem Erledigen von Sidequests oder der Erkundung optionaler Gebiete und Dungeons verknüpfen.

    Einer der spaßigsten Aspekte von Rainbow Moon sind die taktischen Kämpfe. Sie werden rundenbasiert auf einem isometrischen, in ein Raster unterteiltes Schlachtfeld ausgetragen, das so groß ist, dass das bloße Erreichen der Gegner zum zentralen Element wird. So kann es zuweilen einige Züge kosten, bis man dem Gegenüber endlich nah genug ist, um ihm auf die Mütze geben zu können. Zum Glück erlauben einem die zahlreichen Kampffähigkeiten die Gegner auch über Distanz oder in bestimmten Arealen beharken zu können. Der Einsatz dieser Angriffe ist meistens an geometrische Bedingungen geknüpft, die etwa festlegen, in welchem Bereich Gegner Schaden erleiden, oder an welcher Position sich kein Mitstreiter oder anderes Hindernis befinden darf.

    Bessere Spezialfähigkeiten zeichnen sich in diesem Sinne oft gar nicht bloß durch höhere Angriffsstärke, sondern vor allem durch ihre geometrische Flexibilität aus. Meistens muss man in seinem Zug verschiedene Möglichkeiten in Erwägung ziehen, sich zu positionieren und Angriffe auszuwählen, bis man eine gefunden hat, mit der man die meisten Gegner auf einmal erwischt. Taktische Finessen wie diese sollten gerade Spielern Freude bereiten, die es leid sind, in Kämpfen immer nur auf Bestätigen klicken zu müssen.

    Das Kampfsystem ist natürlich nicht frei von Makel. So bestehen die Züge der Monster nicht selten ausschließlich darin, mehrmals hin und her zu laufen, wenn sie nicht direkt auf den Spieler zulaufen oder einen Fernangriff starten können, was nicht besonders intelligent wirkt. Wesentlich irritierender an manchen Kämpfen ist die Anzahl von Gegnern, die man zu bewältigen hat. Tritt man gegen zwanzig und mehr Kontrahenten an wird der Kampfablauf sehr zäh, und wer nicht ewig darauf warten möchte, endlich mal wieder dran zu sein sollte Begegnungen dieser Art zu seinem eigenen Wohl meiden wo es nur geht.

    Das Preis-Leistungsverhältnis von Rainbow Moon ist ausgezeichnet. Für 12.99€ bekommt man eine große Spielwelt geboten, die man mit der Zeit immer freier erkunden kann, dazu gibt es jede Menge knifflige Dungeons und Quests zu bestreiten. Bis man den Abspann zu Gesicht bekommt können gut siebzig bis achtzig Stunden ins Land ziehen. Danach kann man direkt weiterspielen und sich den ausgelassenen Sidequests widmen, bisher unbekannte Gebiete von Rainbow Moon erforschen und auch einige Bereiche erkunden, die vor dem Durchspielen nicht zugänglich waren.

    Von den Produktionswerten her fällt Rainbow Moon eher in die Kategorie “Indie”. Ein grafisches HD-Meisterwerk erwartet euch also nicht. Die Macher holen immerhin das meiste aus ihren Mitteln heraus und erschaffen eine prächtige und farbenfrohe Welt, in der alles konsistent und lebendig wirkt. Das komplette Geschehen wird in einer charmanten isometrischen Perspektive gezeigt, die an Klassiker wie Landstalker oder Breath of Fire III erinnert, nur eben in kompletter 3D-Grafik.

    Die Musik stammt wie bei den bisherigen SideQuest Titeln von Rafael Dyll und klingt so, als hätte er sich gehörig von klassischen JRPG Soundtracks inspirieren lassen. Gerade der Synthiesound und die groovigen Arrangements erinnern an die Soundtracks der Final Fantasy Spiele der 16- und 32-Bit Ära. Aufgrund der mangelnden Dramatisierung in der Geschichte von Rainbow Moon fehlen hier die emotional bewegenden Stücke. Ansonsten macht der Mann seine Sache aber wirklich gut und liefert zahlreiche fröhliche Upbeat Tracks, schaurig-schöne Untermalungen für Dungeonbesuche und vor allem jede Menge packende Battle Themes ab.

    Fazit

    Wer sich schon immer gefragt hat, wo die Gameplay Elemente vergangener Konsolenrollenspiele im HD-Zeitalter geblieben sind, wird seine Antwort in Rainbow Moon finden. Dort wurden sie modernisiert und zu einem neuen einzigartigen Mix zusammengeworfen. Wer auch einmal auf eine große Geschichte verzichten kann und etwas mehr Zeit mitbringt bekommt hier für wenig Geld ein durchdachtes taktisches Rollenspiel mit einem tollen Soundtrack und tonnenweise Content geboten.

    Screenshots

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    Vier auf einen Streich - Angriffe müssen wohlüberlegt sein.

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    Die Dungeons sind voller Schätze … und Monster!

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    Die Gebiete die man durchforstet sind stimmungsvoll gestaltet.

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    Übermacht: Da helfen nur durchschlagende Flächenangriffe.

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    Der Kosmos ruft - An übertriebenen Angriffseffekten mangelt es nicht.

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